Die Magie der Zahlen
„Die Zahl ist das Wesen aller Dinge“, sagt Pythagoras von Samos. Mathe und Zahlen sind jedoch für viele ein Rätsel – fast schon eine höhere Gewalt. Was aber würden wir ohne sie tun, ohne ihren Bann, der aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Wie soll ich dem Verkäufer am Obst- und Gemüsestand deutlich machen, dass ich genau x – viele Äpfel haben möchte ohne eine Zahl oder meine Finger zu benutzen? Allein die Tatsache, dass es mehrere Einzelstücke von etwas gibt, macht eine Mengenangabe unvermeidlich. Ob sie nun in Zahlen Buchstaben oder durch andere Symbole dargestellt wird, spielt dabei im Grunde keine Rolle. Und auch wenn sie praktisch nichts als abstrakte Objekte sind, mit denen wir Mengen Differenzen und Verhältnisse darstellen, Dinge ordnen und messen, sind Zahlen für den Alltag essentiell. Gefangen im Zauber der Zahlen – Fliehen zwecklos!
Zahl, vom althochdeutschen Wort „zala“ ,
bedeutet: eingekerbtes Markenzeichen
Schon in der Steinzeit wurden die ersten Zahlenreihen in Höhlenwände geritzt, eines der ersten überlieferten Zahlensysteme jedoch stammt von den Maya, die genau wie die alten Ägypter und Inder bereits das Spiel mit den Zahlen betrieben. Die Maya waren ein Forscher-Volk, sie beschäftigten sich mit Astronomie, Mathematik und anderen Wissenschaften. Ihr Zahlensystem beruht auf Beobachtung der Venus, vor allem diente es zur Erstellung eines Kalenders, genauso wie für ihre eigenen komplizierten Berechnungen. Ihr System hat jedoch wenig mit unserm Heutigen zu tun, basiert es nämlich nicht auf dem Dezimalsystem(Zehnersystem), sondern auf dem Vigesimalsystem (Zwanzigersystem). Es wird vermutet, dass diesem die Verwendung der zehn Finger und zehn Zehen zu Grunde liegt. Des Weiteren kannten die Maya nur die positiven Zahlen und die Null. Zur Darstellung ihrer Zahlen wurde zum einen ein System aus Punkten und Strichen, zum anderen eine Darstellung aus Kopfzeichen der Zahlen 1 bis Zwölf benutzt.
Springt man in der Geschichte etwas weiter zu den Griechen und Römern, haben auch diese ihre eigenen Zahlensysteme entwickelt. Die Idee der Griechen war dabei ein alphabetisches Zahlensystem, bei dem die Zahlen als Buchstaben dargestellt werden. Dieses System wird wiederum in drei unterschiedliche Prinzipien eingeteilt. Die Römer hingegen führten eine Zahlschrift ein, die wir auch heute noch im Rahmen des Mathematikunterrichts lernen und für besondere Zwecke verwenden (z.B. Titel wie Papst Benedict XVI.). Das System dieser additiven Zahlschrift der Römer ist eine Kombination aus dem Fünfer(Quinär)- und den Zehnersystem, es trägt den Namen biquinäres System. Die zentralen Zahlen sind 5 und 10, die Null ist nicht vorhanden. Das heute von uns und fast überall verwendete Dezimalsystem stammt ursprünglich von den Babyloniern. Seine Symbole für die Zahlenwerte entwickelten sich aus den arabischen bzw. indischen Ziffern.
„Die Mathematik ist das Alphabet, mit dem Gott die Welt geschrieben hat“
Galileo Galilei
Schwer vorstellbar, dass etwas eigentlich so abstraktes wie Zahlen unser Tun und Denken beherrscht. Galileo Galilei glaubt dabei gar an göttliche Schöpfung. So trifft man beispielsweise bei der Zahl 273 auf eigenartige Zufälle – oder auch Nicht-Zufälle – Sie wird von einigen Naturwissenschaftlern und im Internet sogar als „Schrittlänge der Schöpfung“ gehandelt. Man siehe selbst:
-Umlaufbahn Mond-Erde: 27,3 Tage
-Weiblicher Zyklus: 27,3 Tage
-Schwangerschaft(rund umgerechnet): 273 Tage
-Mondradius 0,273 Erdradien
-Mondbeschleunigung: 0,273 cm/m²
- 4 geteilt durch π = 1,273
-absoluter Temperatur-Nullpunkt: -273,3 °C
-Ausdehnung/Schrumpfung von Gasen: 1/273.2 je °C
-Eigenrotation der Sonne 27,3 Tage
-täglicher Streckenabschnitt der Erde: 273/100000 der Erdumlaufbahn
Die Göttlichkeit dieser Tatsachen sei dahin gestellt. Der genaue Ursprung bleibt aber, genau wie die Frage danach, wie die Zahlen heimlich die Weltherrschaft übernehmen konnten, ungeklärt. Fakt ist, an ein Leben ohne sie ist kaum zu denken. Eine Art „magische Wirkung“ von Zahlen kann zum Beispiel dadurch erklärt werden, dass der Bezug auf Konstanten dem Mensch ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. John D. Barrow (brit. Mathematiker u. Physiker) erklärt dies so „Unserem Gefühl nach müssen Dinge, die sich seit Jahrhunderten nicht verändert haben, etwas für sich haben. Sie haben sich im Laufe der Zeit bewährt“. Ein ähnliches Gefühl bewirken auch die Standardisierungen des Alltags oder die durch die Zahl verkörperte Absolutheit. Im menschlichen Gehirn können Zahlen sogar eine Art Signalwirkung hervorrufen. Von der Kindheit an werden Zahlen und Größen mit Gegen- oder bestimmten Zuständen verknüpft und verankern sich so in unseren Gehirnen, dass wir sie unterbewusst abrufen können.
Die Gefangenschaft in der Welt der Zahlen, kann einen fast an Cornelia Funkes Tinten-Saga erinnern. Sind ihre Figuren zwischen den Buchstaben einer Geschichte in einer Art Parallelwelt gefangen, die nur durch Vorlesen besonderer Menschen verlassen werden kann, ist unsere Welt hingegen vollkommen real – Im Bann der Zahlen.
Titelbild: Daniel Müller www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)


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