Denkmal vor dem Nationaltheater in Weimar

So ziemlich jeder Schüler befasst sich irgendwann in seiner Schullaufbahn einmal mit den Werken der ganz großen Dichter und Denker – wenn auch meist ungewollt, denn viele Schüler würden die Frage nach einer Bedeutung ebendieser Werke kategorisch mit  ”Nein” beantworten.

Das in Zeiten von sozialen Netzwerken das Lesen von Dramen wie “Wilhelm Tell” (Friedrich Schiller), “Hamlet” (William Shakespeare) oder “Nathan der Weise” (Gotthold E. Lesing) oftmals uninteressant erscheint ist keine Überraschung und auch durchaus verständlich. Schreckt doch die alte und verstaubte Sprache, der man selbst mit viel Motivation und Anstrengung nur wenig abgewinnen kann, ab. Die Floskeln, Metaphern und Anspielungen auf die damalige Zeit sind manchmal (auch mit Hintergrundwissen) nur schwer zu verstehen. Sind auch die Ideen, die hinter den Dramen stecken, ganz anders als sie auf den ersten Blick scheinen.

Friedrich Schiller zum Beispiel wollte nach der Französischen Revolution mit seinen Dramen die Menschen aus der Ferne “erziehen” und dazu bringen, etwas an ihrem Leid zu ändern.  Gotthold E.  Lessing hingegen nutzte seine Werke, um sich gegen die zu seiner Zeit bestehende Ständeklauseln  zu wehren und William Shakespeare, der später zum Vorbild vieler deutscher Dramatiker (u.a. Schiller und Goethe) wurde, schrieb seine Stücke im Elisabethanischen Zeitalter, welches von der Sehnsucht nach Unterhaltung (in Form von Theaterstücken) geprägt war.

Auch hier wird deutlich, dass die Hintergründe von den in der Schule behandelten Dramen weit zurückliegen und uns in unserem heutigen Alltag nur unbewusst betreffen.

Also haben die Texte von Schiller, Shakespeare und Co. keine Bedeutung für uns? Irrtum!

Es lohnt sich einen Blick hinter die Zeitalter und die schwer verständliche Sprache zu werfen- nämlich in die Geschichte der Stücke. Bei genauerer Betrachtung stellt sich die Frage: Was haben die Könige aus “Macbeth” oder “Maria Stuart” mit unserem heutigen Leben zu tun? Genaugenommen: Nicht viel.

Denkmal vor dem Nationaltheater in Weimar

Denkmal vor dem Nationaltheater in Weimar Peter von Bechen / pixelio.de

Die Bedeutung der Dramen liegt auch weniger in den Namen und Positionen der Figuren, sondern in der Art, wie sie handeln und miteinander umgehen.  In Shakespeares Drama “Othello” geht es zum Beispiel darum, wie ein Offizier von seinem Kameraden so manipuliert wird, bis er schließlich glaubt, dass seine Frau ihn betrügt. Ein Eifersuchtsdrama um die höchste Stellung in der Armee beginnt. In “Maria Stuart” werden die Themen Macht und Neid zwischen der schottischen und der englischen Thronfolgerin thematisiert und in der Tragödie “Romeo und Julia”  geht es um die Liebe, die allen Widrigkeiten trotzt und schließlich bis über den Tod hinausgeht.

So erstaunlich es klingen mag: All diese Themen begegnen uns fast täglich- und zwar im Fernsehen!

Ein zentrales Thema von Daily Soaps á la “Gute Zeiten Schlechte Zeiten” oder “Verbotene Liebe” ist die Eifersucht zwischen den Hauptdarstellern. Gemixt mit den Motiven Rache und Neid erhält man so ein fast abendfüllendes Programm (Das Niveau, auf dem diese Geschichten erzählt werden, sei einmal dahingestellt). Auch jeder Hollywoodstreifen kommt nicht ohne diese Themen, die Shakespeare und andere Dramatiker schon vor Jahrhunderten benutzt haben, aus.

Was wäre der Film “Titanic” ohne die verbotene Liebe zwischen Jack und Rose? Was wären die “Harry Potter” Filme ohne den Bösewicht Lord Voldemort, der die gesamte Macht über das Zaubererreich an sich reißen will? Was wären Serien wie “Desperate Housewives” ohne die Zickereien und Neidattacken zwischen den Nachbarinnen?

Was wären die “Harry Potter” Filme ohne den Bösewicht Lord Voldemort, der die gesamte Macht über das Zaubererreich an sich reißen will?

All diese (welt)bekannten und zum Teil ausgezeichneten Werke wären nichts als heiße Luft. Ihnen würde das Gewisse Etwas fehlen. Genau das Gewisse Etwas, welches Dramatiker und Schriftsteller schon vor Jahrhunderten genutzt haben, um ihr Publikum zu begeistern.

Zeiten ändern sich. Die Sprache auch. Aber nach Abzug aller Faktoren, die man beim Lesen eines Werks von Lessing, Goethe oder Schiller als störend empfindet, bleiben die Themen. Themen, die die Menschen schon vor Jahrhunderten unterhalten haben und die uns auch heute noch vor den Fernsehgeräten halten.

Man muss nur genau hinsehen…

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