Tierversuche- Eine Frage der Moral?

von Mailin

In Deutschland werden über 23 Millionen Haustiere gehalten. Sie bekommen Namen, werden gepflegt und sind oft mit viel zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Gleichzeitig wird von uns hingenommen, dass Millionen der gleichen Tiere – also Kaninchen, Mäuse, Ratten, aber auch Hunde und Katzen – bei Tierversuchen gequält und misshandelt werden.

Die Fakten

2009 starben rund 2,7 Millionen Tiere bei Tierversuchen- und das lediglich in Deutschland. Mit 1,8 Millionen sind Mäuse die Spitzenreiter, gefolgt von über 500.000 Ratten. Darauf folgen Fische, Vögel, Kaninchen, andere Nagetiere, Schweine und mit 3.800 Versuchstieren auch der angeblich beste Freund des Menschen- der Hund. Außerdem werden Katzen, Ziegen, Schafe, Rinder, Pferde und Affen ‚verwendet’, jedoch keine Menschenaffen, da diese aufgrund ihrer Intelligenz verschont werden.

Rechtlich sind Tierversuche erlaubt, sogar vorgeschrieben. Laut § 7 des Tierschutzgesetzes darf Tieren Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden, wenn es zum Vorbeugen, Erkennen oder Behandeln von Krankheiten oder sonstigen Leiden des Menschen, zur Erkennung von Umweltgefährdungen, zum Prüfen von Stoffen oder Produkten auf ihre Unbedenklichkeit oder für die Grundlagenforschung dient. Kurz gesagt: Wenn wir Menschen einen Nutzen davon haben, sind Tierversuche legal. Wenigstens eine Genehmigung für die Versuche muss es geben, die beweist, dass ein solcher Versuch wissenschaftlich notwendig ist. Außerdem muss dafür gesorgt sein, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Dies geschieht allerdings nur bedingt. Die Tiere werden oft einzeln in sterilen Metallkäfigen gehalten, haben nie ein Stück Natur gesehen und werden dies wohl auch nie tun.

(Bildquelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.)

Tierversuche können sehr unterschiedlich aussehen. Bekannt ist zum Beispiel der Draize- Test. Hierbei werden Kaninchen chemische Substanzen ins Auge getropft, um mögliche Reizungen zu Überprüfen. Oft verätzen hierbei die Augen der Tiere. Außerdem werden Versuchstiere mit Parasiten oder Bakterien infiziert, ihnen werden Tumorzellen injiziert, giftige Substanzen verabreicht, die Knochen gebrochen und teils sogar Organe oder die ungeborenen Föten aus dem Körper geschnitten.

Ein Kaninchen nach dem Draize-Test (Bildquelle: BUAV)

Von Make-Up und Eistee

Doch Tierversuche werden nicht nur für Medikamente betrieben. Auch für Kosmetik- und Pflegeprodukte sterben weiterhin Tiere, auch wenn Versuche für kosmetische Produkte und deren Inhaltsstoffe in Deutschland bereits seit 1998 und seit 2009 auch in der gesamten EU verboten sind. Wie ist das möglich?

Leider hat dieses Gesetz noch Lücken. Denn Rohstoffe, die nicht nur für Kosmetika verwendet werden, sondern auch für weitere Produkte getestet werden müssen (was in den meisten Fällen zutrifft) dürfen auch weiterhin an Tieren getestet werden. Außerdem dürfen bis voraussichtlich 2013 die Inhaltsstoffe außerhalb der EU getestet werden und dann für Kosmetikartikel, die hier verkauft werden dürfen, verwendet werden. Ob es 2013 zu einem Verbot kommen wird, ist noch unklar, da die EU-Kommission der Meinung ist, dass es noch nicht genügend wissenschaftlich Alternativmethoden zu Tierversuchen gibt. Es droht ein Aufschub um weitere zehn Jahre. Und um weitere Millionen an Tieren, die für unser Aussehen sterben.

Auch in der Lebensmittelbranche wird gerne an Tieren getestet. Die Tierschutzorganisation peta (People for the ethical treatment of animals) machte z.B. bekannt, dass Teehersteller Nestea für seine Produkte Tierversuche, die gesetzlich nicht vorgeschrieben sind, durchführt. Unter anderem sollen dabei Teeextrakte an Mäuse verfüttert worden sein. Anschließend hat man den Mäusen die Beine aufgeschnitten und sie anschließend enthauptet. Und das lediglich um mögliche gesundheitsfördernde Wirkungen festzustellen. Peta warf außerdem der Mars Süßwaren GmbH (Mars, Snikers, Balisto,…) vor, dass sie Tierversuche finanzieren, bei denen unter anderem Ratten, die zwangsgefüttert wurden, die Beine aufgeschnitten werden und anschließend mit einem Stich in die Brust getötet werden. Mars streitet diese Vorwürfe jedoch ab.

Leider ist die Liste, der Firmen die Tierversuche weiterhin unterstützen lang und die wenigsten wissen davon. Denn es sind oft die großen Firmen, die doch in der Werbung immer so makellos wirken. Außerdem verkleinert sich die Auswahl extrem, wenn man sich auf die tierversuchsfreien Produkte beschränkt. Das liegt daran, dass die meisten großen Firmen, die Tierversuche unterstützen, viele Tochterfirmen besitzen und damit den größten Teil des Marktes ausmachen. Wer auf Produkte mit Tierversuchen verzichten möchte, oder sich im Verbrauch reduzieren möchte, empfehle ich, die Seite von peta zu besuchen.

Die ewige Diskussion

Über den Sinn von Tierversuchen wird häufig diskutiert. Die eine Seite ist überzeugt von der Notwendigkeit, auf der anderen Seite wird genau das Gegenteil behauptet. Ohne Frage haben wir den Tierversuchen so manchen medizinischen Fortschritt zu verdanken, beispielsweise konnten Impfstoffe gegen Kinderlähmung und Gelbfieber entwickelt werden. Jedoch ist die Forschung schon so weit fortgeschritten, dass Alternativmethoden zu den Tierversuchen entwickelt werden konnten. Doch laut der Deutschen Forschungsgemeinschaft reichen die Alternativmethoden noch nicht aus, um Medikamente zu testen. Wahr? Peta und Ärzte gegen Tierversuche e.V. behaupten das Gegenteil. Computersimulationen, Forschung mit Zellkulturen oder Untersuchungen an Körperspendern seien schneller, zuverlässiger und günstiger als Tierversuche.

Alternativmethode mit Zellforschung: Aus einer Nährflüssigkeit werden Tropfen in eine Schale pipettiert. Darin wachsen Zellen. (Bildquelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.)

Außerdem seien Tierversuche oft irreführend. Ein gutes Beispiel ist das Schmerzmittel Vioxx. Der Wirkstoff wurde ausgiebig unter anderem an Affen getestet und es traten keine Nebenwirkungen auf. Als man es dann an Menschen testete, erkrankten 7.000 Patienten schwer oder starben. Das ist darauf zurückzuführen, dass Tiere und Menschen auf verschiedene Wirkstoffe unterschiedlich reagieren. So testete man 2008 einen neuen Impfstoff gegen HIV an über 3.000 Menschen, ohne Erfolg. Dabei hatten die Ergebnisse der Tierversuche vielversprechende Ergebnisse ergeben. Doch warum werden Tierversuche überhaupt noch durchgeführt, wenn sie so viele Nachteile mit sich bringen?

Laut Ärzte gegen Tierversuche e.V. geht es um das Geld. Wenn man Tierversuche abschaffen würde, würden Tierversuchszüchter, Hersteller für Zubehör und Auftraglabors pleite gehen. Auch Experimentatoren und Universitäten wollen Tierversuche beibehalten, denn die Qualität der Forschung wird nicht daran gemessen, wie vielen Menschen geholfen werden konnte, sondern an der Anzahl der Publikationen in bekannten Fachzeitschriften. Davon ist die Höhe der Forschungsgelder abhängig.

Im Übrigen bleibt immer noch die Frage: Möchte ich das Tiere für mich und meinen Nutzen leiden und sterben müssen? Ähnlich wie beim Vegetarismus ist dies eine moralische Frage, die sich die meisten irgendwann stellen. Letztendlich muss diese Entscheidung jeder für sich selber treffen. Eins jedoch ist sicher: Wegschauen und so tun, als würde all das nicht passieren, ist auch keine Lösung .

Mailin


Redakteurin bei Pressident seit 2011
Bewertung
Das geht besser! Hmm, naja... Nett geschrieben. Guter Beitrag! Genial! ( 4 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
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3 Kommentare

  1. Martin
    09 Februar 12, 7:06am

    Gut recherchiert!
    In den Fällen, wo Tiere für notwendige medizinische Forschung genommen werden, würde ich mich nicht als Tierersatz hingeben … schließlich esse ich auch Tiere.
    Dabei dürfen sie aber nicht leiden! D.H. z.B. sie müssen bei Schmerzen narkotisiert werden.

    Martin

    PS.: Auch manche Haustiere (Hamster, …) leben in Käfigen und nicht in freier Wildbahn.

  2. Theresa
    13 Februar 12, 5:46pm

    Sehr guter artikel…interessant geschrieben…er regt noch einmal die gedanken an, man fragt sich wie das wohl bei den firmen aussieht von denen man selbst die kosmetikprodukte kauft…ob die wohl genauso wie die meisten firmen sind oder vielleicht doch besser!? Man weiss es nicht genau…den wer gibt das schon selbs von sich gern zu?! Naja….auf jedenfall ein dickes lob an dich für diesen super interesanten und gut geschriebenen Artikel! ;)
    Theresa

  3. 04 März 12, 2:00am

    Diese Tierversuche sind total unnütz,da man nicht den menschlichen Körper gleichsetzten kann,reine Provitgier,sonst gar nichts.

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