Eine menschenleere Erde

von Wiebke

In dem amerikanischem Film „I am legend“ kämpft Will Smith als vermeintlich einzig Überlebender in den Straßenschluchten von New York um seine Existenz. Das Verschwinden der Menschen hat in der Millionenmetropole deutliche Spuren hinterlassen: Im verwilderten Central Park weiden Hirsche und es jagen Löwen, während sich in den Straßen Krater bilden und Bäume, Sträucher und Gräser beginnen, das einst von Menschen beherrschte Gebiet, zurück zu gewinnen.

Doch was passiert wirklich mit New York und unserer Erde, wenn die Menschheit von einen auf den anderen Tag verschwinden würde?

Das erste Anzeichen des Verschwindens der Menschen wäre die plötzliche Ruhe. Fabriken, Baustellen, Verkehr, all der Lärm in den Großstädten erstirbt von einem auf den anderen Augenblick. Nach 24 bis 48 Stunden fallen die ersten Kernkraftwerke aus, da durch die menschliche Bedienung der Brennstoff fehlt. Im schlimmsten Fall kommt es hierbei zu Bränden oder gar zu Kernschmelzen. Windräder und andere erneuerbare Energieträger produzieren allerdings erst mal weiterhin Strom, doch nach und nach kommen auch diese durch fehlende menschliche Bedienung zum Erliegen, genauso wie die gesamte andere Maschinerie unserer Zivilisation. Momentan werden über der EU 85 % des Himmels nicht mehr richtig dunkel, über den USA 62 %, doch durch das Ausfallen der Elektrizität endet auch diese Lichtverschmutzung.
Nach und nach bricht nun die Infrastruktur in den Städten zusammen. Ein durchschnittliches Bauwerk soll bis zu 60 Jahre halten, vorausgesetzt, dass es regelmäßig gewartet wird. Pflanzen nisten sich überall ein und überwuchern ganze Häuserreihen und sprengen durch ihre Wurzeln Fundamente auseinander. Dadurch hat die Verwitterung ein leichtes Spiel. Regen und Frost kann ungehindert in die Gebäude eindringen und zerstört diese so weiter.
Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Geisterstadt „Bodie“ in der evakuierten Zone von Tschernobyl: Ronald Chesser, ein Umweltbiologe aus Texas, besuchte dieses Gebiet und fand „eine blühende Biosphäre“ vor, obwohl er dort lediglich eine nuklear-tote Wüste erwartet hatte. Die noch stehenden Häuser sind von Pflanzen überwuchert und aus den geborstenen Fenstern blüht Gestrüpp. Dazu kommen Wildschweine in einer zehn- bis fünfzehn fachen Dichte als außerhalb der Todeszone vor, genauso wie Wölfe, die man nirgends sonst in der Ukraine noch vorfindet.

 

 

Wenn man sich dieses Szenario am Beispiel New York genauer anguckt, erkennt man, dass selbst eine solche gigantische Metropole wie New York keine Chance gegenüber der Natur hat. Momentan müssen jeden Tag mehr als 50 Millionen Liter Wasser abgepumpt werden, damit die U-Bahn- Tunnel nicht überflutet werden. Bei einem Ausfall der Pumpen würde New Yorks Untergrund innerhalb von 36 Stunden unter Wasser stehen. Der Frost und Tauwetter-Zyklus zersetzt New York weiter in seine Einzelteile. Im Pflaster bilden sich Krater, Unkraut wuchert und nach zwei Jahrhunderten stürzen die ersten Wolkenkratzer ein.
Einheimische Tiere fangen an sich zu vermehren und nisten sich in den Trümmern der Stadt ein. Haustiere haben dabei wenig Chancen zu überleben, lediglich die Katze hat über die lange Zeit, in der sie als Haustier gehalten wurde, ihre natürlichen Jagdinstinkte nicht verlernt und kann auch ohne fremde Hilfe überleben. Anders sieht es für Hunde aus: Da sie nicht konkurrenzfähig genug sind, werden sie keine große Chance haben, in einer Welt ohne Menschen zurecht zu kommen, genauso wie Pferde. Nutztieren wie Kühe und Schafe wird es allerdings auch nicht gut gehen, da sie durch den immer weiter wachsenden Wald Weidefläche verlieren und somit ihr Hauptnahrungsmittel aufgeben müssen.

Würde ein Fremder nach 10.000 Jahren nun auf die Erde kommen, so würde er nichts auf der Erdoberfläche erkennen, das auf eine ehemalige menschliche Zivilisation schließen lässt. Großstädte sind verschwunden, genauso wie Kernkraftwerke, die durch ihren stabilen Bau am längsten unberührt stehen bleiben würden. Lediglich am Boden der Ozeane wären in Bohrkernen eine dünne Schicht hoch konzentrierter Schwermetalle nachweisbar, genauso wie in der Atmosphäre Spuren synthetischer Gase vorzufinden seien.
Wenn nun in mehreren Millionen Jahren eine neue intelligente Spezies auf der Erde entstehen würde, würden diese wohl nie erfahren, dass wir einmal hier gelebt haben – denn die Erde hat den Menschen für ihre Verhältnisse relativ schnell vergessen.

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