Eine „nationale Tragödie“ erschüttert Norwegen- ist so etwas auch in Deutschland möglich?
Am 22. Juli explodierte im Osloer Regierungsviertel eine Autobombe, kurz danach hörte man von der Ferieninsel Utoya Schüsse. Norwegens Ministerpräsident spricht von einer „nationalen Tragödie“.
Der Anschlag im Regierungsviertel ließ ganze Häuser erbeben, Fenster zerspringen und verwüstete viele Geschäfte und Räume – es sah aus wie nach einem Erdbeben. Sieben Menschen wurden dadurch in den Tod gerissen. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg, dem, wie die Polizeit vorerst vermutete, der Anschlag galt, hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlages nicht im Gebäude auf.
Kurz nach der Explosion wurden auf der ca. 50 km entfernten Ferieninsel Utoya, auf der sich ca. 600 Jugendliche im Feriencamp der regierenden Partei aufhielten, erste Schüsse gehört. Ein als Polizist verkleideter Mann fuhr mit einem kleinen Boot auf die Insel und lockte die Jugendlichen zu sich. Um die 90 Minuten feuerte er systematisch auf die Menschen, die in ihrer Panik versuchten sich zu verstecken, an das 600 m entfernte Festland zu schwimmen oder sich tot zu stellen. Doch der Täter feuerte auf jeden, auf die fliehenden Jugendlichen im Wasser und zur Sicherheit auch noch einmal auf die Toten.
Die Hilferufe, die von der Insel an die Polizei gingen, wurden vorerst abgewiesen: Ihnen wird erklärt, dass sie die Leitung nicht blockieren sollen, falls ihr Anliegen nichts mit den Anschlägen in Oslo zu tun hätte. Erst nach 1 ½ Stunden gelang es Spezialeinheiten der Polizei, die Insel zu stürmen. Der Täter stellte sich sofort. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 68 Menschen erschossen.
Bis kurz nach diesen beiden Anschlägen ging die norwegische Polizei von zwei unterschiedlichen Tätern aus, doch mittlerweise wird allein Anders Breivik verantwortlich gemacht, er hat die Taten gestanden. Nachdem er die Bombe im Regierungsviertel gezündet habe, sei er nach Utoya gefahren, um dort weiter seine Aussage zu verdeutlichen. Anders Beivik, typische norwegische Gesichtszüge, blonde Haare und hochgewachsen, präsentierte sich auf Internet Plattformen wie Facebook als konservativ, christlich, Jäger, Video-Spieler und Freimaurer. Er wolle die Welt “vor Kulturmarxismus und Islamisierung retten” , so erläutert er seine Gründe. Ein „Denkzettel“ an die Regierung, die Arbeiterpartei Norwegens, sollten die Handlungen sein, so erklärt er es in seiner Vernehmung. Angekündigt hatte er seine Tat vorher schon, aufgefallen war dies jedoch niemandem. Lediglich durch den Kauf einer großen Menge an Biodünger fiel er der Polizei auf, jedoch wurde es nicht weiter verfolgt, da Beivik einen Biobauernhof betreibt. Dieser Dünger war Hauptbestandteil der Bombe.
Doch wäre ein Anschlag wie in Oslo auch in Deutschland möglich?
Kurz vor den Anschlägen in Oslo verschickte Beivik um die hundert Exemplare seines Pamphlets („Ein Pamphlet ist eine Schrift, in der sich jemand engagiert oder überspitzt zu einem wissenschaftlichen, religiösen oder politischen Thema äußert.“) an Andressen von Rechtsextremisten auf der ganzen Welt, auch die NPD- Zentrale in Berlin und NPD-Büros in Erfurt, Aschaffenburg und Unna erhielten welche. In diesem ca. 1500 Seiten langen Pamphlet erläutert er genauer seine Beweggründe.
Auch Angela Merkel wurde mehrmals in dieser Schrift erwähnt, genau wie weitere europäische Politiker wird sie als zu weich in Immigrationsfragen gekennzeichnet und als nicht scharf positioniert gegenüber dem Islam.
Weitere Empfänger sind kleinere Gruppen, wie die „Nationale Widerstandsgruppe Dortmund“, in dem Pamphlet werden sie als Brüder angesprochen. Die deutsche Regierung sieht jedoch hierzulande keine Gefahr durch Rechtsterroristen, da es keine unmittelbare Verbindungen von Tat und Täter zu Deutschland gäbe. Zudem gäbe es „keine Hinweise auf rechtsterroristische Aktivitäten” hierzulande.
Zudem sei „rechtsextremistische Gewalt meist spontan“, gemeint sind Schlägereien und Attacken. Von daher passe die gezielt geplante Handlung von Beivik „so gar nicht in dieses Raster“.
Doch einen ähnlichen Anschlag wie den in Norwegen gab es auch schoneinmal in Deutschland: Ein einzelner Rechtsextremist verübte 1980 einen Anschlag auf das Münchener Oktoberfest. 13 Menschen starben, nachdem er am Haupteingang eine Bombe gezündet hatte, weitere 211 wurden verletzt.
Ob so ein Anschlag in Deutschland verübt werden kann, ist umstritten, doch genau wie in Norwegen kann es immer einen einzelnen Wahnsinnigen geben, der keinen anderen Weg weiß und meint, so der Welt seine Meinung sagen zu müssen.

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