„Es muss aus jedem ein guter Mensch gemacht werden!“

von Wiebke

Ein Polizist erzählt von seinem Beruf. 43 Jahre hat der nun pensionierte Polizist Kriminelle überführt, für Sicherheit gesorgt und vor allem Menschen geholfen.
Er war bei Demonstrationen, Konzerten und anderen großen Veranstaltungen mit seinen Kollegen für die Sicherheit der Menschen verantwortlich. Er hat in seiner Berufslaufbahn verschiedenste Positionen eingenommen, zuletzt war er Wachhabender und Leiter einer Dienstschicht. Dinge, wie einen Bankräuber über die Dächer zu jagen oder bei der Festnahme eines lang gesuchten Serientäters dabei zu sein, passierten nicht jeden Tag, waren für ihn allerdings auch nichts Ungewöhnliches.

Angefangen hatte seine Karriere als Polizeianwärter 1964. 1969 gehörte er zu einer Wache in der Holstenstraße, die auch übergreifend für die Reeperbahn zuständig war. Dort hatte er viel mit organisierter Kriminalität zu tun, wie Rauschgift, Drogen, Prostitution und Menschenhandel.

„Das ist nun mal mit drin.“

Die Polizisten müssen hier gezielt und überlegt vorgehen, einzelne Menschen zu verhaften reicht nicht, vorallem die „Hintermänner“ müssen gefasst werden. Früher gab es als ausländische Vertreter der organisierten Kriminalität auf dem Kiez nur die „Wiener Zuhälter“ – Zuhälter aus Österreich. Doch gerade seitdem die Grenzen in den 60ern und 70ern zum Osten immer durchlässiger wurden, hat der Anteil von ausländischen Kriminellen, besonders von Jugoslawen, Türken und Schwarzamerikanern, stark zugenommen.

Polizist Rüdiger P. mit einem überführtem Kriminellen

Polizist Rüdiger P. mit einem überführtem Kriminellen

„Diese Massen sind immer schwerer aufzuhalten.“

Die Störer – Feinde kennt die Polizei nicht – früher wie Rockerbanden, z.B. die „Hell Angels“ konnte man noch unter Kontrolle bringen, doch diese Menge an Kriminellen kann selbst die Polizei nicht so leicht stoppen.
Insgesamt hat sich das Einsatzgeschehen der Polizisten durch den enormen Anstieg von Ausländern in Deutschland grundlegend verändert. Die Kriminalität ist stark gestiegen, und man muss auf die Leute aufgrund ihrer unterschiedlichen Kulturen anders zugehen.

Etwas Spannendes war selbst für einen Polizisten die Jagd eines Bankräubers über die Flachdächer von Altona. 150m Verfolgung auf der Höhe einer 7. Etage, doch es hat sich gelohnt: Die Flucht misslang dem Räuber – die Festnahme zog er dem Sprung in die Tiefe vor – und er konnte verhaftet werden. Nächtliche Durchsuchungen von Kaufhäusern, in denen sich Menschen am Tag versteckt hatten und nun hofften, sich unbemerkt bedienen zu können, stand auch nicht gerade auf Platz 1 der beliebtesten Einsätze. Trotz aller Erfahrung und guten Planung konnte es sein, dass plötzlich jemand mit einem Messer oder einer anderen Waffe vor einem stand. Angst hatte er dabei auch, aber:

„Angst ist nichts Verwerfliches, sondern führt einen dazu,
vorsichtig zu sein und sich selbst zu schützen.“

Doch den Mut aufzubringen, und die Waffe wirklich zu benutzen, haben zum Glück die wenigsten Kriminellen.
Bei einem großen Banküberfall, der Mitte der 70er in jeder Zeitung die Titelseiten füllte, und auch einen Toten forderte, war er für die Außensicherung zuständig. Er war ebenfalls dabei, als ein lang gesuchter Täter der Baader-Meinhof Gruppe gefasst wurde.
Die sogenannten „L-Sachen“, Einsätze mit Leichen, gehörten auch eher zu den Dingen, die ein Polizist nicht gerne verrichtet. Beim häufigem Kontakt mit Leichen steigt man zum „Leichensachbearbeiter“ auf, so scherzen die Polizisten untereinander. Doch mit den täglichen Krimiserien haben wahre Polizeieinsätze weniger zu tun. Bei Todesursachen ist nicht die Kripo als erstes am Tatort, sondern die Schutzpolizisten, die sich um die Spurensicherung und andere Dinge kümmern. Zudem sind 95% der Tode natürlich, anders als im Fernsehen, wo hinter jeder Leiche ein Serienmörder steckt.
Früher konnte jeder Polizist werden, egal ob er Hauptschulabschluss oder Abitur hatte. Der einzige Unterschied in der identischen Laufbahn war, dass die Ausbildung bei höherem Abschluss gekürzt werden konnte. Heutzutage ist mindestens die Mittlere Reife erforderlich. Aus jedem zukünftigen Polizisten musst ein guter Mensch gemacht werden, erst dann ist er für den Beruf fähig.

„Mensch muss der Mensch sein.“

Zudem muss man auf die Bürger zugehen, denn nur so kann man ihr Vertrauen gewinnen. Anders als man als Außenstehender vermutet, sind 80% der täglichen Einsätze Hilfeleistungen.
In seiner Anfangszeit als Polizist gab es nur sehr wenige Frauen, die eine Ausbildung als Polizistin gemacht haben. In den 80ern stieg die Anzahl der weiblichen Polizisten drastisch, was auf die zunehmende Gleichberechtigung der Frauen zurückzuführen ist. Trotzdem waren sie den selben Richtlinien wie die Männer unterstellt. Anfangs gab es viel Wirbel, als die ersten Frauen im Streifenwagen fuhren, doch auch an diesen Anblick gewöhnte man sich. Allerdings durften diese bei Demonstrationen früher nicht in der 1. Reihe stehen, und auch die männlichen Kollegen nahmen oft die Beschützerrolle ein, was den Polizistinnen nicht immer gefiel.
Doch weibliche Polizisten sind gerade bei Durchsuchungen von Frauen wichtig, da nur Polizistinnen diese durchsuchen dürfen. Zudem haben sie durch ihre einfühlsame Art schneller Erfolg als Polizisten, was oft zu Eifersucht führt. Heute ist es kein überraschender Anblick mehr, wenn man eine Polizistin sieht, und auch den Beruf kann er für Mädchen und für Jungen empfehlen.
Es bringt sehr viel Spaß und man lernt immer wieder etwas über Menschen. Und was wäre unsere Gesellschaft, wenn wir keine Polizei hätten?

„Was würden wir ohne die Polizei machen?“

Seine ersten Einsätze bei Demonstrationen waren bei den Osterunruhen, die Ende der 60er/ Anfang 70er Jahre von Gründonnerstag bis Ostermontag dauerten. Grund war, dass die Linken die Axel Springer Presse am liebsten verbieten lassen und diese am Austeilen ihrer Zeitungen hindern wollten.

„Es stand die Demokratie auf dem Spiel!“

Die Aufgaben von ihm und seinen Kollegen bestand darin, dass er Autos durch die Menschenmassen schleusen mussten – ohne jegliche Schutzkleidung, die es damals noch nicht gab. Viele Polizisten wurden angegriffen, teilweise auch schwer verletzt. Um nicht noch größeren Schaden davonzutragen, wurden kurzerhand Schutzhelme von den Werften geliehen. Die ersten großen Konzerte der Rolling Stones und Beatles in Hamburg spielten sich auch in seiner Zeit als Polizist ab. So musste er regelmäßig die vielen Fans geordnet und ohne Schaden in die Hallen schleusen und die tobende und aufgekratzte Menge an Straßenschlachten hindern.

Auch bei großen Fußballspielen gab es viele Einsätze. Dadurch, dass das HSV-Stadion zu seinem Einsatzgebiet gehörte, waren das Schlichten von Streitereien und Kämpfen unter den gegnerischen Fans keine Seltenheit. Heutzutage gibt es spezielle Sondereinheiten, die sich um so etwas kümmern. Auch bei den Einsätzen in der Hafenstraße, die für viel Wirbel in der Presse sorgten, war er dabei. Allerdings war er zu dieser Zeit schon leitender Polizist und koordinierte die Einsätze. Doch zufrieden waren die Polizisten mit ihrer Rolle nicht.

Junge Leute, Linke, auch obdachlose Punks hatten leer stehende Häuser in der Hafenstraße besetzt und sich so gut verbarrikadiert, dass es den Polizisten nicht gelang, die Häuser zu räumen. Doch obwohl gerade die jungen Streifenpolizisten motiviert und voller Tatendrang waren, haben die Politiker immer wieder verboten, in die Häuser zu gehen – sie mussten davor warten.
Wenn man solche Sachen auf die heutigen Einsätze wie Stuttgart 21 überträgt, möchte er sich als ehemaliger Polizist nicht zu den Geschehnissen dort äußern. Die Polizisten in Stuttgart hatten gegen friedliche Demonstranten Wasserwerfer und Pfefferspray eingesetzt – ein Aufruhr, der durch alle Medien ging.

Er weiß, wie schwierig so eine Entscheidung ist. Die Lage kann man meist nur vor Ort einschätzen. Die Demonstranten müssen massive Verstöße gemacht haben, denn erst dann setzt ein Polizist Wasserwerfer ein. Mehr kann er als nun Außenstehender auch nicht dazu sagen.

Nach diesen 43 Jahren im Beruf des Polizisten kann er jedem diese Arbeit nur empfehlen, denn ihm hat sie immer viel Spaß gemacht – und hat dabei noch sehr viel über Menschen gelernt.

Bewertung


Das geht besser!Hmm, naja...Nett geschrieben.Guter Beitrag!Genial! (10 Bewertungen, Durchschnitt: 4,70 von 5)
Loading ... Loading ...

Sag uns deine Meinung!